Liese Prokop Memorial

04.06.2010

Clemens Zeller bricht ÖLV-Rekord über 400m

Liese Prokop Memorial
ÖLV: Feiertag" in St. Pölten: Clemens Zeller bricht ÖLV-Rekord über 400m mit 45,69 Sekunden
Victoria Schreibeis schafft mit 13,32 Sekunden über 100m Hürden als 13. ÖLV-Athletin das EM-Limit für Barcelona. Dazu herausragende internationale Leistungen  beim Austrian Top Meeting..
Die vierte Auflage des „Liese Prokop Memorial“ in St. Pölten wurde zum „Feiertag“ für Österreichs Leichtathleten. Ein neuer ÖLV-Rekord von Clemens Zeller über 400 Meter und ein EM-Limit von Victoria Schreibeis über 100m Hürden sorgten für Jubelstimmung beim Austrian Top Meeting. Dazu gab es trotz mehrere herausragende internationale Leistungen.
Zeller bricht 13 Jahre alten 400m Rekord
Clemens Zeller setzte beim Liese Prokop Memorial in St. Pölten ein Glanzlicht und stürmte in 45,69 Sekunden zu neuem österreichischen Rekord über 400 Meter. Trotz leichten Regens und Gegenwinds auf der Zielgeraden unterbot der Niederösterreicher die fast 13 Jahre alte Bestmarke von Christoph Pöstinger (45,80sec am 13.7.1997 in Byrkjelo, Norwegen) um 0,11 Sekunden. Damit setzte sich der 25-jährige Niederösterreicher vom ULV Krems aktuell an die vierte Stelle von Europas Jahresbestenliste.
"Motivation ist unbeschreiblich"
„Meine Trainingsleistungen waren gut, aber dass es gleich im ersten Saisonrennen so sensationell läuft, das hätte ich nicht gedacht. Ich freue mich riesig. Zum ersten mal seit drei Jahren war ich heuer nach der Hallensaison nicht verletzt. Jetzt habe ich zwei Monate sehr gut trainiert und keine Einheit ausgelassen. Mit Andi Rapatz habe ich einen neuen Trainingspartner in Krems, die Motivation dadurch ist unbeschreiblich. Wir pushen uns gegenseitig in jedem Training“, freute sich Zeller. Mit Blick auf die Europameisterschaften in Barcelona, für die er sich bereits in der Hallensaison qualifiziert hatte, meinte er: „Es sind noch zwei Monate, da wird noch viel passieren. Aber ein Platz im Semifinale oder Finale wäre sehr schön.“
Der Hallen-EM Vierte von 2009 setzte sich in St. Pölten gegen Kamberuka Zacharia aus Botswana durch, der heuer bereits eine Zeit von 45,71 erzielt hatte. In der Zielkurve noch fast gleichauf, war Zeller auf der Schlussgerade stärker und verwies den Afrikaner in 46,06 Sekunden auf Platz zwei. Luke Lennon-Ford, Bronzemedaillengewinner bei der Hallen-WM in Doha mit Großbritanniens 4x400m Staffel, musste in 47,41 Sekunden mit Rang vier vorlieb nehmen.
 Victoria Schreibeis schafft als 13. ÖLV-Athletin das EM-Limit
Über 100m Hürden freute sich Victoria Schreibeis (DSG Wien) mit persönlicher Bestzeit von 13,32 Sekunden trotz Gegenwind von 1,2 m/s über das EM-Limit für Barcelona: „Eine tolle Sache! Die kühle Witterung stört mich nicht, da bin ich schon öfters gut gelaufen. Am Start und über die ersten Hürden muss ich noch besser werden. Da ist noch einiges drin. Vor allem freue ich mich, dass ich schon so früh das Limit geschafft habe. Bei der EM vor vier Jahren habe ich mich erst im allerletzten Rennen qualifiziert!“ Schreibeis, die eine Zeit von 13,35 für die EM-Teilnahme unterbieten musste, duellierte sich mit der slowenischen Olympiateilnehmerin Marina Tomic, die anfangs voran war, dann aber in 13,45 Sekunden das Nachsehen hatte. Beate Schrott (Union St. Pölten) erzielte im Vorlauf neue Saisonbestzeit von 13,55 Sekunden, produzierte im Finale aber einen Fehlstart und wurde disqualifiziert.
Freiluftbestleistung für 800m-Läufer Rapatz
Andreas Rapatz (VST Laas), der bereits aus der Hallensaison sein Barcelona-Ticket hat, startete über 800m mit persönlicher Freiluftbestleistung von 1:48,01 Minuten in die Saison. Bei 600 Meter ist der Wahlniederösterreicher an die Spitze des sehr gut zusammengestellten Feldes gegangen, musste dann aber dieser Verschärfung Tribut zollen. Der Hallen-WM Semifinalist erreichte den dritten Platz. Der Sieg ging in 1:47,05 Minuten an Jimmy Adar aus Uganda vor dem Slowaken Jozef Pelikan (1:47,95). „Die Zeit ist ganz okay, obwohl ich mir mehr vorgenommen habe“, so Rapatz. „Auf den letzten 100 Metern bin ich einfach „gestorben“. Ich war an den Aduktoren leicht verletzt. Vielleicht hat mir dadurch am Ende etwas gefehlt.“
Benjamin Siart siegt um drei Zentimeter
Benjamin Siart (SVS) kam im Hammerwurf knapp an die 70m-Marke heran und unterstrich seine ansteigende Form. Er setzte sich mit 69,83 Meter hauchdünn gegen den starken Ägypter Mohamed Mahmoud Hassan durch, der auf 69,80 Meter kam: „Mir fehlt noch etwas die Sicherheit. Ich habe fast bei jedem Wurf zweimal ansetzen müssen. Aber mit dem Ergebnis und dem Sieg kann ich zufrieden sein“, so Siart. Seine Schwester, die frischgebackene ÖLV-Rekordlerin Julia Siart warf den Hammer auf die Siegweite von 54,14 Meter.
Rekordwerferinnen im Duell
Im Österreicherinnen-Duell beim Speerwurf siegte Elisabeth Pauer (SVS), die erst vergangenen Samstag neuen ÖLV-Rekord von 59,03 Meter geworfen hatte, mit 53,11 Metern: „Ich war etwas hektisch heute und wollte zeigen, dass ich was drauf habe. Es ist aber von Anfang an nicht locker gelaufen.“ U23-Rekordhalterin Elisabeth Eberl (AT Graz) kam als Zweite auf 51,75 Meter. 
Bulgarin läuft europäische Jahresbestleistung über 400m Hürden
Das internationale Spitzenresultat des Tages erzielte Vania Stambolova aus Bulgarien. Die Dritte der Hallen-WM in Doha über 400m und Europameisterin von Göteborg 2006 über 400 Meter erzielte in St. Pölten über 400m Hürden mit 54,57 Sekunden aktuelle europäische Jahresbestleistung!
Im Hochsprung zeigte der Tscheche Peter Horak mit übersprungenen 2,25 Meter eine tolle Vorstellung. Bei den Frauen überquerte die erst 20-jährige Kroatin Anna Simic starke 1,89 Meter. Marina Schneider (IAC Pharmador), ehemalige Miss Austria, freute sich an zweiter Stelle über 1,78 Meter. Sehr beachtlich die 110m Hürden, die Chris Thomas (USA) in 13,62 Sekunden (Wind -0,8) vor seinem Landsmann Jeff Porter (13,66) gewann. Manuel Prazak (SVS) kam in 14,32 auf den fünften Platz.
Regen und Wind haben vor allem die Sprints beeinträchtigt. Über 100m der Männer machte Adrian Griffith von den Bahamas in 10,41 Sekunden (-1,3 m/s) dennoch gute Figur vor Ryan Scott (GBR – 10,60). Bernhard Chudarek (SVS) holte zu seinem Geburtstag in 10,78 Sekunden den dritten Platz. Benjamin Grill vom Veranstalterverein Union St. Pölten musste seinen Start leider kurzfristig absagen, nachdem er sich am Tag vor der Veranstaltung einen Muskel gezerrt hat. Bei den Frauen zeigte die Vorarlbergerin Doris Röser (TS Lauterach) im 100m Vorlauf mit 11,98 Sekunden (-1,0) die schnellste Zeit des Tages. Auf einen Start im Finale verzichtete sie zugunsten der 200 Meter, die sie in 24,63 Sekunden vor Bianca Dürr (TS Bregenz Stadt – 24,95 Sekunden).

ORF-Berichte vom Liese Prokop Memorial
Sonntag, 6.6., 11:10 Uhr: Sportbild auf ORF1
Sonntag, 6.6., 21:30 Uhr: Ausführliche Highlights auf ORF Sport Plus
P3 TV Bericht ab Mittwoch auf dieser Seite